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02.08.2026

Hitze bringt Fische an ihre Grenzen

Bild: Linth24
Die anhaltende Hitzewelle setzt den Schweizer Gewässern massiv zu. Petri-Heil-Herausgeber Hansjörg Dietiker erklärt, weshalb ganze Fischbestände bedroht sind. Linth24 sprach mit ihm.

Linth24: Herr Dietiker, die Hitze beschäftigt derzeit alle. Wie wirkt sie sich auf die Fische in Schweizer Gewässern aus?

Hansjörg Dietiker: Für die Fische ist die aktuelle Hitzewelle eine Katastrophe. Sie sind auf kühles, sauerstoffreiches Wasser angewiesen. Durch die anhaltend hohen Temperaturen erwärmen sich Flüsse und Bäche immer stärker, gleichzeitig sinkt der Sauerstoffgehalt. Viele Bäche führen zudem deutlich weniger Wasser und schrumpfen zu kleinen Rinnsalen.

«Fischsterben in der ganzen Schweiz möglich.»
Hansjörg Dietiker
  • Der Ernetschwilerbach in Uznach bietet ein trostloses Bild. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Bald ist auch die letzte Pfütze ausgetrocknet: Erntschwilerbach Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Nördlich der Brücke über den Ernetschwilerbach in Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Bilder wie tief im Süden Europas: Ernetschwilerbach Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Ernetschwilerbach Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Das fast ausgetrocknete Bachbett des Ernetschwilerbachs in Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Linth24: Was bedeutet das konkret für die Fische?

Hansjörg Dietiker: Die Fische versuchen, sich in tiefere und kühlere Bereiche zurückzuziehen. Doch irgendwann erreichen sie den letzten Tümpel. Dort wird das Wasser immer wärmer und sauerstoffärmer. Die Tiere geraten massiv unter Stress und haben oft keine Ausweichmöglichkeiten mehr.

Linth24: Kann das Fischsterben zu einer Redimensionierung des Fischbestandes in der Schweiz.

Hansjörg Dietiker: Wenn es so weiter geht mit der Hitze und den sinkenden Wasserständen ist ein Fischsterben in der ganzen Schweiz möglich

Linth24: Ab wann wird es kritisch?

Hansjörg Dietiker: Das hängt von der Fischart ab. Kaltwasserfische wie Forellen oder Äschen reagieren bereits auf vergleichsweise geringe Temperaturanstiege. Bleibt das Wasser längere Zeit zu warm, steigt die Sterblichkeit deutlich.

«Die Erholung der Gewässer wird Jahre dauern.»
Hansjörg Dietiker

Linth24: Sind nur einzelne Fische betroffen?

Hansjörg Dietiker: Nein. Ganze Bestände können stark dezimiert werden, teilweise sterben in einem Gewässerabschnitt fast alle Fische. Bis sich solche Bestände erholen, vergehen oft viele Jahre.

Linth24: Welche Folgen hat das für die Gewässer?

Hansjörg Dietiker: Die Fische vermehren sich schlechter und werden anfälliger für Krankheiten. Wenn mehrere Hitzesommer aufeinander folgen, verschärfen sich diese Probleme zusätzlich.

Linth24: Der Kanton St. Gallen hat für verschiedene Fliessgewässer ein Betretungsverbot erlassen. Ist eine solche Massnahme sinnvoll?

Hansjörg Dietiker: Ja, absolut. Viele Fische ziehen sich bei dieser Hitze in die wenigen verbliebenen kühlen und tiefen Stellen zurück. Wenn Menschen durch die Bäche waten oder sich dort aufhalten, werden die Tiere zusätzlich aufgescheucht und verbrauchen noch mehr Energie. Das Betretungsverbot soll genau diesen zusätzlichen Stress verhindern und den Fischen in dieser kritischen Phase möglichst viel Ruhe verschaffen. Es ist eine einfache, aber wirksame Schutzmassnahme.

«Jeder zusätzliche Stress verschlechtert die Überlebenschancen der Fische.»
Hansjörg Dietiker
  • Hansjörg Dietiker: «Der Steinenbach in Uznach ist momentan eine Kloake» Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Unter der Brücke im Steinenbach in Uznach sieht es desolat aus. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Kein schönes Bild: Steinenbach Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Steinenbach Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Algen statt frisches, fliessendes Wasser: Steinenbach Uznach. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Meister Adebar: vergebliches Warten auf den Fisch. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Der Schein trügt; das spärliche Wässerchen reicht nicht für das Überleben der Fische. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Steinenbach Uznach: nur das widerstandsfähige Schilfgras sieht noch grün aus. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Linth24: Was können Fischerinnen und Fischer jetzt tun?

Hansjörg Dietiker: Vor allem Rücksicht nehmen. Viele verzichten in solchen Situationen freiwillig aufs Fischen oder setzen gefangene Fische besonders schonend und möglichst rasch wieder zurück. Jeder zusätzliche Stress verschlechtert ihre Überlebenschancen.

«Wir müssen unsere Gewässer besser schützen.»
Hansjörg Dietiker

Linth24: Erleben Sie eine solche Situation zum ersten Mal?

Hansjörg Dietiker: Nein. Hitzesommer gab es schon früher. Sie treten jedoch häufiger auf und dauern länger. Der Klimawandel macht sich in unseren Gewässern deutlich bemerkbar.

Linth24: Was braucht es jetzt?

Hansjörg Dietiker: Wir müssen unsere Gewässer besser schützen – mit genügend Restwasser, naturnahen Bächen, beschatteten Ufern und mehr geeigneten Lebensräumen. Hitzeperioden werden künftig häufiger auftreten. Deshalb müssen wir jetzt die richtigen Massnahmen ergreifen.

Bruno Hug, Markus Arnitz
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