Sportchef Giovi Marti: "Im Superfinal willst Du nur eins und das ist gewinnen"
Die Frauen der Kloten-Dietlikon Jets spielen am Samstag im Superfinal in Fribourg gegen den Qualifikationssieger Wizards Bern Burgdorf. Gewinnen die Jets diesen kapitalen Match, küren sie sich zum siebten Mal in Folge zum Meister.
Die Dominanz der letzten Jahre konnten die Jets in der Regular Season jedoch nicht ganz bestätigen. Die Konkurrenz ist stärker geworden, zudem gab es einige gewichtige Ausfälle auf Seiten der Zürcher Unterländerinnen.
ZU24.ch konnte mit dem Frauen-Sportchef Giovi Marti sprechen. Marti ist seit 32 Jahren im Unihockey als Sportchef tätig, arbeitet nach seiner Radio-Moderatoren-Karriere (u.a. bei Radio 24) in der Kommunikationsabteilung der FIFA und ist seit 25 Jahren als Stadionspeaker für die ZSC Lions im Hallenstadion sowie in der Swiss Life Arena im Einsatz.
«Dieses Kribbeln gehört dazu»
ZU24.ch: Giovi, du stehst als Sportchef der Frauen erstmals in einem Superfinal, während viele Spielerinnen dieses Gefühl schon länger kennen. Was geht in dir ab?
Giovi Marti: Es war natürlich eine Woche, die mich innerlich schon ziemlich beschäftigt hat. Dieses Kribbeln ist da – und ganz ehrlich: Das ist auch gut so. Ich habe das Spiel in Gedanken immer wieder durchgespielt, Situationen durchlebt, Emotionen vorweggenommen. Aber am Ende bleibt eines: Wir sind bereit. Das Team ist bereit. Die Vorfreude ist gross, sehr gross sogar.
Für mich persönlich ist dieser Moment auch deshalb so speziell, weil er eine besondere Reise erzählt. Vor 19 Jahren habe ich mit dem damaligen UHC Dietlikon meinen letzten Schweizer Meistertitel gewonnen. Und jetzt, viele Jahre später, stehe ich nach einer Saison, die ich bei den Riders in Rüti begonnen habe, mit den Jets im Superfinal und habe plötzlich die Chance, erneut Schweizer Meister zu werden. Das ist schon irgendwie verrückt.
«Wir haben uns in den Final gearbeitet»
ZU24.ch: Wie resümierst du die Saison der Frauen vor dem grossen Highlight?
Giovi Marti:
Als Titelverteidiger die Qualifikation auf Rang 3 zu beenden, war sicher nicht das, was man auf den ersten Blick erwartet hat. Vielleicht hat das auch den einen oder anderen kurz aufhorchen lassen. Für uns war es aber kein Grund, nervös zu werden, sondern ein Moment zum Analysieren, Einordnen und Weiterarbeiten. Ich denke, uns hat in gewissen Spielen die sonst bekannte Jets-Effizienz gefehlt. Dazu kamen mit Leonie Wieland, Vanessa Schmuki, Finja Helbling und am Ende auch Chiara Bertini vier wichtige Ausfälle, die man nicht einfach so wegsteckt. Aber genau da zeigt sich die Qualität eines Teams: Wenn nicht immer alles glatt läuft, müssen andere bereit sein. Und das haben unsere Spielerinnen eindrücklich getan. Sie haben Verantwortung übernommen, Lücken geschlossen und uns gemeinsam in diesen Final gebracht. Wenn du als Titelverteidiger wieder im Superfinal stehst, dann hast du in der Saison doch auch vieles richtig gemacht.
«Im Final beginnt alles bei null»
ZU24.ch: Wie gross sind die Chancen, dass die Jets den Titel erneut in die Flughafenstadt holen?
Giovi Marti: Jedes Spiel muss zuerst gespielt werden. Und ein Superfinal ist immer ein Moment, in dem fast alles offen ist. Wir bringen sicher Selbstvertrauen mit und auch die Erfahrung, bereits mehrere Male in diesem Format gespielt zu haben. Das kann helfen, gerade wenn der Puls steigt und jeder Pass Gewicht bekommt. Aber am Ende beginnt alles bei null: 0:0, ein Spiel, ein Finale, ein Titel.
Die Wizards haben als Qualifikationssieger gezeigt, dass mit ihnen in Zukunft ganz klar zu rechnen ist. Sie haben nichts zu verlieren, und genau das macht sie gefährlich. In Burgdorf wird sehr gut gearbeitet, das sieht man. Aber wir haben ebenfalls unsere Geschichte, unsere Qualität und unseren Glauben an das, was wir gemeinsam erreichen können. Die Chancen stehen gut – aber Chancen allein gewinnen noch nichts. Das muss man sich auf dem Feld verdienen.
Fokus vor Feier
ZU24.ch: Sind beim Empfang in Kloten Festivitäten geplant?
Giovi Marti: Das weiss ich im Moment noch nicht genau – und das ist vielleicht auch gut so. Im Moment sind wir voll auf das Spiel fokussiert, und genau dort gehört unsere ganze Energie hin.
Wenn es so kommt, wie wir es uns wünschen, dann können wir danach über Feierlichkeiten sprechen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass im Raum Kloten dann noch das eine oder andere passieren könnte. Aber zuerst muss einmal die Aufgabe in Fribourg erledigt werden. Erst der Final, dann die Feststimmung, wenn es etwas zu feiern gibt. In dieser Reihenfolge – so einfach ist das.
Kein Ersatz, sondern eigener Erfolg
ZU24.ch: Du bist bekannt als Stadionspeaker beim ZSC. Kannst du das Ausscheiden deines «Z» mit den Erfolgen der Jets-Frauen kompensieren?
Giovi Marti: Kompensieren ist nicht ganz das richtige Wort. Natürlich hätte ich auch mit dem Z gerne den Titel-Hattrick gefeiert, das wäre ein grosser sportlicher Moment gewesen. Es ist anders gekommen, und genau das gehört zum Sport dazu: Er nimmt dir manchmal etwas, gibt dir an anderer Stelle aber vielleicht einen grossen Moment zurück.
Sollte es nun mit den Jets klappen, wäre das kein Ersatz, sondern etwas Eigenes, etwas sehr Wertvolles. Es wäre der Lohn für unglaublich viel Arbeit, für Leidenschaft, für Zusammenhalt und für ein Team, das über Monate hinweg hart gearbeitet und abgeliefert hat. Herb Brooks, der Trainer des US-Eishockeyteams, das 1980 an den Olympischen Spielen in Lake Placid die Goldmedaille gewann, sagte damals zu seinem Team: «Great moments are born from great opportunity.» – Grosse Momente entstehen aus grossen Möglichkeiten. Und genau eine solche Möglichkeit bietet sich nun unseren Spielerinnen im Superfinal. Das haben sie sich verdient.
Viel mehr als nur Sportchef
ZU24.ch: Welche Aufgaben hat ein Sportchef eines Unihockey-Teams?
Giovi Marti: Man ist Organisator, Planer, Ansprechpartner, Kommunikator, Mitdenker – ein Macher. Zusammen mit meinem Sportchef-Kollegen Robin Baracchi kümmern wir uns um sehr viele Bereiche. Wir ergänzen und unterstützen uns, und unser Ziel ist immer dasselbe: Dass sich Staff und Team wohlfühlen und sich voll auf ihre Leistung konzentrieren können.
Dazu gehören Kaderplanung, Verträge, Budgetfragen, die Betreuung der ausländischen Spielerinnen unter anderem bei Themen wie Wohnen oder Arbeit – und oft auch sehr praktische Dinge des Alltags. Je nach Moment bist du Teammanager, Psychologe, grosser Bruder, Vater, Materialwart, Barista und Teamkoch in einer Person – alles mit dem nötigen Respekt und mit Professionalität. So läuft es zumindest bei den Jets.
Die Förderung des eigenen Nachwuchses ist ebenfalls ein Bereich, dem ich in Zukunft viel Zeit widmen will. Da wächst eine tolle Spielerinnen-Generation zusammen. Der U21-A-Schweizer-Meistertitel war kein Zufall, sondern der verdiente Lohn. Ich bin auf alle Fälle sehr dankbar, dass mich Robin Baracchi und auch U21-A-Headcoach Stephan Eiholzer nach meinem Rücktritt bei den Riders im November unbedingt wieder zu den Jets holen wollten. Mit ihnen, den Teams, den Staffs und für diesen Verein zu arbeiten, ist etwas, das mir grosse Freude macht.
Kein Tipp, aber klare Hoffnung
ZU24.ch: Zum Schluss wollen wir natürlich den Resultat-Tipp des Profis.
Giovi Marti: Ich bin kein Gambler, und bei einem Superfinal ist ein Tipp immer heikel. Aber natürlich hoffe ich auf einen Jets-Sieg. Ich habe grosses Vertrauen in unser Team und grossen Respekt vor dem Gegner. Die Wizards haben in dieser Saison gezeigt, was in ihnen steckt. Aber wir sind bereit, wir haben uns diesen Moment erarbeitet, und wir wollen ihn mit allem, was wir haben, auch nutzen. Am Ende zählt nur eines: Wir wollen gewinnen.
Superfinal 2026 in der BFC Arena in Fribourg
Anspielzeit: 13:30 Uhr
Gegner: Wizards Bern Burgdofrf
Live-Übertragung im SRF 2