Heimspiel einer Schweizer Primaballerina
Laura Fernandez-Gromova ist inzwischen als Primaballerina beim Wiener Staatsballett und gehört zu den wenigen Schweizerinnen, die sich in einer grossen europäischen Kompanie ganz an die Spitze getanzt haben. Sie hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt und tanzt regelmässig Hauptrollen auf der Bühne der Wiener Staatsoper – einem Haus mit besonders strenger klassischer Tradition.
Schwebende Kontrolle
Ballettmeister schätzen an Laura vor allem die klare Linienführung, die ruhige Kontrolle im Oberkörper und eine dramatische Intensität, die gerade in lyrischen Rollen auffällt. Im Kongresshaus wird sie am Sonntag mehrere ikonische Szenen präsentieren, darunter das berühmte Pas de deux aus dem zweiten Akt von Giselle, das unter Tänzerinnen als einer der grössten Prüfsteine der klassischen Technik gilt. Hier entscheidet sich, ob eine Ballerina tatsächlich «schweben» kann: lange, scheinbar endlose Arabesken, kontrollierte Bourrées und eine beinahe überirdische Ruhe im Ausdruck.
Feuerwerk der Virtuosität
Die Gala folgt dem klassischen All-Star-Prinzip: kein durchgehendes Handlungsballett, sondern eine Folge von Pas de deux aus den berühmtesten Werken des Repertoires. Einer der Höhepunkte dürfte unter anderem der temperamentvolle Auszug aus Don Quixote werden. Dieses Ballett gilt unter Tänzern als Feuerwerk der Virtuosität – rasante Sprungkombinationen für die Männer, blitzschnelle Drehungen und die berühmten Fouettés für die Ballerina. Kaum ein Werk bringt das Publikum so schnell zum Jubeln. Ähnlich spektakulär ist das Pas de deux aus Le Corsaire, ein Gala-Klassiker schlechthin. Hier geht es um pure technische Brillanz: hohe Sprünge, lange Hebungen und jene berühmte Solovariation des männlichen Tänzers, bei der Tour-en-l’air und Drehungen fast wie ein Wettkampf wirken.
Klassiker Schwanensee
Für einen völlig anderen Ton sorgt der romantische Klassiker Schwanensee. Szenen aus diesem Jahrhundertwerk verlangen eine ganz andere Qualität: statt Showeffekt stehen Linienführung, Musikalität und poetische Atmosphäre im Vordergrund. Gerade die langsamen Pas de deux aus Schwanensee gehören zu den Momenten, in denen sich zeigt, ob ein Paar wirklich als Einheit funktioniert. Noch luftiger wird es mit dem berühmten zweiten Akt aus Giselle, einem Prüfstein jeder grossen Ballerina. Die Tänzerin scheint hier fast schwerelos über die Bühne zu gleiten – eine Illusion, die enorme Kontrolle und absolute Präzision verlangt.
Emotionale Choreografien
Einen Hauch barocker Virtuosität bringt das Pas de deux aus Diana and Actaeon auf die Bühne. Dieses Stück gehört zu den technisch anspruchsvollsten Gala-Nummern überhaupt: extrem schnelle Pirouetten, kraftvolle Hebungen und eine fast athletische Dynamik machen es zu einem Favoriten bei internationalen Ballettabenden.
Neben diesen Klassikern zeigen die Tänzerinnen und Tänzer auch Ausschnitte aus zeitgenössischen und modernen Werken – ein bewusster Kontrast zu den historischen Meisterwerken. Gerade Kompanien wie das Royal Ballet, das Dutch National Ballet oder das Paris Opera Ballet sind dafür bekannt, klassisches Training mit moderner Choreografie zu verbinden. In solchen Stücken werden Linien freier, Bewegungen bodennäher, Emotionen unmittelbarer.
Unterschiedliche Schulen
Neben Fernandez-Gromova und ihrem Wiener Kollegen Kentaro Mitsumori stehen dabei mehrere internationale Solisten auf der Bühne: der kubanische Tänzer Patricio Reve vom Royal Ballet in London, Giorgi Potskhishvili und Anna Tsygankova vom Dutch National Ballet, Shale Wagman und Clara Mousseigne von der Pariser Oper sowie Jorge Barani und Ana Toderica von der Bucharest National Opera.
Innerhalb eines einzigen Abends prallen unterschiedliche Schulen aufeinander: die elegante französische Tradition, die präzise niederländische Linie und die dramatische Ausdruckskraft der Wiener Bühne. Und mittendrin steht eine Schweizer Ballerina, die sich gerade anschickt, international ganz vorne mitzutanzen. Es dürfte also kommenden Sonntag nicht lange dauern, bis die ersten Bravorufe aus dem Publikum kommen.
Alle Stilrichtungen vereint
Das Konzept der Gala ist dabei bewusst simpel: keine durchgehende Handlung, sondern eine Art Best-of innerhalb des klassischen Repertoires. Das Publikum erlebt innerhalb eines Abends eine Reise durch die grossen Stilrichtungen des Balletts – vom romantischen 19. Jahrhundert bis zur dramatischen Erzählweise des 20. Jahrhunderts. Für Insider ist ein solcher Abend fast wie ein All-Star-Treffen der Ballettwelt, weil Tänzerinnen und Tänzer aus unterschiedlichen Kompanien gemeinsam auftreten und Rollen zeigen, die sie sonst auf den grossen Opernbühnen tanzen.
Für Zürich hat der Abend allerdings mit dem Auftritt von Laura Fernandez–Gromova noch eine zusätzliche emotionale Note.
Kultureller Austausch
Organisiert wird der Abend von Unternehmerin und Kulturinitiatorin Natalija Fernandez-Gromova über ihre Firma Gromova GmbH, die auch offiziell als Veranstalterin des Events geführt wird. Natalija Fernandez-Gromova lebt in der Schweiz und hat ukrainische Wurzeln. Sie ist zugleich die Mutter der Ballerina Laura Fernandez-Gromova. Die Gala entstand ursprünglich als persönliches Projekt: Sie wollte internationale Tänzer zusammenbringen und gleichzeitig ein Zeichen für kulturellen Austausch und Frieden setzen – besonders vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs. Die erste Ausgabe fand 2023 in Zürich statt und brachte Tänzer aus verschiedenen Ländern zusammen. Ein Teil der Einnahmen wurde damals auch für humanitäre Hilfe in der Ukraine eingesetzt.
«Ballett ohne Grenzen». Sonntag, 15. März Kongresssaal Zürich 18 Uhr. Türöffnung 17 Uhr. Tickets ab 48 Franken.
Informationen: https://www.ballettohnegrenzen.ch/